Diese Welt ist mir nicht egal
Ihr Lieben,
manchmal fühlt sich die Welt an, als würde sie an mehreren Stellen gleichzeitig ächzen.
Die Erde bebt.
Stürme ziehen über Länder hinweg.
Wasser kommt dort, wo es sonst nicht hinkam.
Hitze liegt über Städten wie eine schwere Decke.
Wälder brennen.
Menschen verlieren Häuser, Tiere, Erinnerungen, manchmal ihr ganzes bisheriges Leben.
Und irgendwo dazwischen sitzen wir.
Mit dem Handy in der Hand.
Mit Nachrichten, die kaum noch in einen Kopf passen.
Mit Bildern, die man nicht einfach wegwischen kann, auch wenn der Finger sie längst weggeswipt hat.
Erdbeben gab es schon immer. Stürme auch. Hitze auch.
Und doch spüren viele: Irgendetwas ist anders geworden.
Nicht alles ist Zufall.
Nicht alles ist „war schon immer so“.
Manches, was heute stärker, heißer, trockener, nasser, wilder wird, hat auch mit uns zu tun. Mit unserem Umgang mit dieser Erde. Mit einem Lebensstil, der oft nimmt, als wäre alles endlos.
Und das ist schwer auszuhalten.
Weil es unbequem ist.
Weil Schuld schnell lähmt.
Weil Angst schnell hart macht.
Weil man manchmal denkt: Was soll ich kleiner Mensch denn bitte ändern?
In Psalm 46, 3 steht: „Darum fürchten wir uns nicht, selbst wenn die Erde erbebt, die Berge wanken und in den Tiefen des Meeres versinken.“
Das ist kein Satz für Menschen, die nichts mitbekommen.
Das ist ein Satz für Menschen, die sehr wohl sehen, dass etwas wankt. Dass Berge rutschen können. Dass Wasser bedrohlich werden kann. Dass der Boden, auf dem wir stehen, nicht so sicher ist, wie wir dachten.
Glaube heißt für mich nicht: Augen zu und alles wird gut.
Glaube heißt eher: Augen auf – und trotzdem nicht verzweifeln.
Hinsehen.
Beten.
Trauern.
Helfen, wo es konkret wird.
Nicht abstumpfen.
Nicht so tun, als ginge mich das alles nichts an.
Und vielleicht auch: anders leben lernen.
Nicht perfekt.
Nicht mit erhobenem Zeigefinger.
Nicht so, als könnte ich allein die Welt retten.
Aber mit weniger Gleichgültigkeit.
Mit mehr Achtung vor dem, was lebt.
Mit Dankbarkeit für Wasser, Schatten, Bäume, Tiere, Erde unter den Füßen.
Vielleicht beginnt Verantwortung manchmal nicht mit einem großen Plan, sondern mit einem kleinen inneren Satz:
Diese Welt ist mir nicht egal.
Ich kann die Erde nicht stillhalten.
Ich kann keinen Sturm zurückpfeifen.
Ich kann kein Erdbeben stoppen.
Aber ich kann aufhören, so zu leben, als hätte das alles nichts mit mir zu tun.
Und ich kann mich erinnern:
Gott ist nicht erst da, wenn alles ruhig ist.
Gott ist auch da, wenn es wackelt.
Nicht als Ausrede, nichts zu tun.
Sondern als Halt, damit wir nicht aufgeben.
Damit wir weicher bleiben.
Wacher.
Barmherziger.
Mit dieser Erde.
Mit anderen Menschen.
Und vielleicht auch mit uns selbst.
Auf geht’s, neue Woche, Leute.
Wir packen sie gemeinsam.
Mandy
