Keine Antwort ist auch schwer
Ihr Lieben,
manchmal ist nicht nur das Leid schwer.
Nicht nur das, was passiert ist.
Nicht nur das, was fehlt.
Nicht nur das, was kaputtgegangen ist.
Manchmal ist auch schwer, dass keine Antwort kommt.
Keine Erklärung.
Kein klares „Darum“.
Kein Satz, der alles irgendwie einordnet.
Man steht da mit seiner Frage.
Warum?
Wozu?
Warum so?
Warum jetzt?
Warum dieser Mensch?
Warum dieses Schweigen?
Und manchmal wird einem dann gesagt:
Du musst Gott einfach vertrauen.
Du musst nicht alles verstehen.
Gottes Wege sind höher als unsere Wege.
Ja.
Mag alles stimmen.
Aber trotzdem kann es weh tun.
Denn manchmal will man gar nicht alles kontrollieren.
Man will nicht Gott spielen.
Man will nicht den ganzen Weltplan erklärt bekommen.
Man möchte nur irgendwie verstehen, warum das Herz gerade so schwer ist.
Warum ein Gebet im Raum stehen bleibt.
Warum sich eine Tür nicht öffnet.
Warum ein Mensch leidet.
Warum Hilfe ausbleibt.
Warum das Leben weiterläuft, als wäre nichts, während innen drin alles stillsteht.
In der Bibel gibt es diesen Satz:
„ Wie lange noch, HERR, willst du mich vergessen? Etwa für immer? Wie lange noch willst du dich vor mir verbergen?“ – Psalm 13,2
Heftig irgendwie.
Da betet keiner schön sortiert.
Da sagt jemand nicht: Wird schon alles seinen Sinn haben.
Da sagt einer im Grunde: Gott, ich halte Dein Schweigen kaum aus.
Und vielleicht ist genau das wichtig. Dass solche Sätze in der Bibel stehen.
Nicht nur Lob.
Nicht nur Dankbarkeit.
Nicht nur feste Glaubenssätze.
Sondern auch Verzweiflung. Fragen. Warten.
Dieses müde, ehrliche, erschöpfte: Wie lange noch?
Beten ist ja so ein Ding für sich.
Ich glaube nicht, dass jede ausbleibende Antwort bedeutet, dass Gott nicht da ist.
Aber ich glaube auch nicht, dass man so tun muss, als wäre Schweigen leicht.
Manchmal ist Schweigen schwer.
Manchmal ist keine Antwort auch eine Last.
Und vielleicht fragt man nicht, weil man zu wenig glaubt.
Vielleicht fragt man, weil einem Gott eben nicht egal ist.
Weil da noch irgendwo Hoffnung ist.
Auch wenn sie klein ist.
Auch wenn sie wackelt.
Auch wenn sie gerade eher nach Trotz aussieht als nach Vertrauen.
Vielleicht klingt Vertrauen manchmal nicht nach: Ich weiß, dass alles gut wird.
Sondern eher nach: Ich verstehe Dich nicht. Ich weiß nicht, was Du tust.
Ich weiß nicht mal, ob ich gerade noch beten kann.
Aber ich bin noch da.
Mit meiner Frage.
Mit meiner Müdigkeit.
Mit meiner Wut vielleicht auch.
Mit diesem ganzen Durcheinander in mir.
Und wenn ich nichts sagen kann, dann sitze ich eben da.
Vor Dir.
Nicht schön.
Nicht stark.
Nicht besonders glaubensfest.
Nur ehrlich.
Vielleicht reicht das manchmal.
Nicht als Lösung.
Nicht als Antwort auf alles.
Aber als kleiner Halt für heute: Du musst Deine Fragen nicht wegdrücken.
Du musst nicht so tun, als wäre alles halb so wild.
Du darfst müde sein. Du darfst keine Antwort haben.
Und trotzdem bist Du nicht verloren.
Denn manchmal ist keine Antwort schwer.
Aber vielleicht bist Du mit dieser Schwere nicht allein.
Also … durchhalten!
Deine Mandy
